Johann Konrad Corradi (1813–1878)

als Künstler Konrad Corradi genannt

Konrad Corradi wurde am 2. Sept. 1813 als Sohn des Neunforner Küfers Jakob Corradi und der Anna Dorothea Corradi-Brunner geboren. Er war Bürger von Oberneunforn und wurde hier getauft. Nach Abschluss der Schule folgte eine sechsjährige Ausbildung zum Landschaftsmaler bei Heinrich Uster in Feuerthalen. In dieser Zeit lebte er vermutlich im Haus des Lehrmeisters.

Ab 1835 war er als freischaffender Ansichtenmaler für den Verleger Johann Louis Bleuler tätig, der auf Schloss Laufen eine Künstlerwerkstätte betrieb. Seit 1840 führte Corradi auch Aufträge für andere Verlage aus, welche Mappenwerke mit Veduten touristisch attraktiver Orte herausgaben, z.B. für Gustav Georg Lange, Darmstadt; Hj. Füssli & Co. Zürich und den Verlag Christian Krüsi in Basel.

1837 Bekanntschaft mit dem Düsseldorfer Landschaftsmaler Johann Wilhelm Schirmer anlässlich eines Aufenthalts in Meiringen im Spätsommer. Der arrivierte Künstler liess ihn nach seinen Naturstudien arbeiten und führte ihn in die Ölmalerei ein.


Am 25. Februar 1839 Heirat mit Elisabetha Eggli (1816–1868), der Tochter des Schulmeisters von Uhwiesen. Das Ehepaar liess sich in Feuerthalen nieder, wo die Kinder Karolina (1839), Ferdinand (1840) und Elisabetha (1846) zur Welt kamen. 1849 erwarb das Ehepaar einen Hausteil an der Dorfstrasse in Uhwiesen und verlegte den Wohnsitz dorthin. Konrad und Elisabetha führten einen kleinen Bauernbetrieb, der die Existenz der Familie zusammen mit dem Einkommen Corradis als Landschaftsmaler sicherte. Nach dem Tod der Gattin 1868 gab Corradi den Landwirtschaftsbetrieb auf und war fortan ausschliesslich künstlerisch tätig. Er starb am 9. April 1878 in Uhwiesen.


Reisen und Aufenthalte (dokumentiert durch Briefe und datierte Bilder)

1837, 1854, 1875, 1876, jeweils im Spätsommer/Herbst mehrwöchige Wanderungen ins

Berner Oberland mit Aufenthalten in Meiringen (1837) und Interlaken (1854, 1875, 1876).


1839, Ende Mai bis Anfang Juli Balkanreise, teilweise gemeinsam mit dem Malerkollegen Rudolf Weinmann. Stationen: Stein, Konstanz, Rorschach, Rheineck, Feldkirch, Bludenz, Adlerberg, St. Anton, Landeck, Innsbruck, über den Brenner ins Tirol, weiter nach Italien, Slovenien und Kroatien. Rückweg über Toposko, Karlsstadt, Novi, Laibach, Tirol.


Im November 1847 als Angehöriger der Zürcher Truppen im Sonderbundskrieg.


1848, im September Reise nach Süddeutschland im Auftrag des Verlags G.G. Lange, Darmstadt. Stationen: Freiburg i. B., Schliengen, Kandern, Müllheim, Badenweiler, Lahr, Hohengeroldseck, Gengenbach, Offenburg, Kehl, Strassburg, Bühl, Steinbach


1851, im August/September Reise ins Appenzellerland. Stationen: St. Gallen, Vögelinseck, Trogen, Heiden, Gäbris, Gais, Seealpsee, Wildkirchli


1863 Aufenthalt in Bad Pfäfers


1877 verschiedene  Reisen in der Schweiz und im süddeutschen Raum: Region Vierwaldstättersee mit Stationen Luzern, Vitznau, Rigi-Kaltbad (Januar); Luzern (März), Bern, Thun, Interlaken (August); Baden-Baden (Oktober)



Die Alpen und der Tourismus

Corradis Bilderwelt steht in der Tradition der helvetischen Vedutenmalerei. Dieser Zweig innerhalb der Landschaftsmalerei erlebte zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen Boom und war eng verbunden mit dem Aufblühen des Tourismus in der Schweiz. Seit Ende des 18. Jahrhunderts lockte das Berner Oberland Adlige und Grossbürger aus aller Herren Länder an. Andere Regionen zogen nach, etwa die Gegenden am Genfer- und Vierwaldstättersee oder das Engadin.

Die Voraussetzung für das europaweit erwachte Interesse am «Reiseland Schweiz» liegt in der Entdeckung der Alpen. Galt die Gebirgsnatur 1755 noch als «krankhafter Auswuchs und unnatürliches Geschwulst der Erdoberfläche» (Johnsons Dictionary), empfand man sie wenige Jahre später als erforschenswert und ursprünglich schön. Zu verdanken war dieser Wandel Arbeiten im Gebiet der Naturwissenschaften, insbesondere jenen des Zürcher Arztes und Naturforschers Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733). Aber auch literarische Werke wie Albrecht von Hallers Gedicht Die Alpen (1732) und Jean-Jacques Rousseaus Brief-Roman Julie ou La nouvelle Héloïse (1761) hatten eine enorme Wirkung. Beide Dichter beschwören in ihren so unterschiedlichen Texten die schweizerische Bergwelt als ein Arkadien, in dem ein unverdorbenes Hirtenvolk im Einklang mit der Natur lebt. Kein Wunder, dass die bildungshungrige Leserschaft des aufgeklärten Europa diese Schauplätze aufsuchen wollte. Tourismusfördernd wirkten sich Ende des 18. Jahrhunderts überdies Berichte von Expeditionen ins Hochgebirge aus. Ein Meilenstein war die Erstbesteigung des Mont Blanc 1786. Alpenwanderungen kamen in Mode. Die Schweiz wurde zum begehrten Ferienziel.


Bei Reisenden waren Bilder aus der Schweizer Bergwelt und Ansichten von Städten und Ferienorten beliebt. Vor der Erfindung der Fotografie waren es spezialisierte Maler und Stecher – wegen ihrer kleinformatigen Bildwerke oftmals «Kleinmeister» genannt –, die solche Souvenirs herstellten. Ihr Angebot war bezüglich Motiven und Techniken breitgefächert. Sie produzierten die begehrtesten Sujets sowohl als preiswerte Druckgrafiken (Stiche, Radierungen, Aquatinta-Blätter) wie auch als kostspieligere Unikate (Aquarelle, Gouachen, Ölgemälde). Die wichtigsten Zentren für die Vedutenproduktion waren Bern, Zürich, Basel, Winterthur und Schaffhausen.

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